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Was sind Selbsthilfegruppen?


Immer mehr Menschen ergreifen selbst die Initiative, um ihre gesundheitlichen oder psychosozialen Probleme eigenverantwortlich und doch gemeinsam mit Gleichbetroffenen anzugehen: Sie gründen eine Selbsthilfegruppe (SHG) oder schließen sich einer bestehenden Gruppe an. Ob es nun um eine Krankheit, um Sucht, um psychische Probleme oder um eine andere schwierige Lebenssituation geht: Mit Menschen, die gleiches oder ähnliches erlebt haben, läßt sich am besten reden. Man fühlt sich verstanden und spürt, „ich bin nicht allein". Die Gruppe hebt die Isolation des/der Einzelnen auf und stärkt dadurch die Handlungskompetenz. Selbstheilungskräfte werden aktiviert. Durch den Erfahrungsaustausch liefern die Gruppenmitglieder einander immer wieder neue Modelle, mit Problemen umzugehen. So entsteht mehr Selbstvertrauen und der Mut, das eigene Schicksal anzunehmen und sein Leben bestmöglich zu gestalten. Jede Gruppe arbeitet nach ihrer eigenen Art, doch für alle gilt: Die Teilnahme ist kostenlos, alle Mitglieder sind gleichberechtigt, und was in der Gruppe besprochen wird, bleibt vertraulich.
Merkmale von Selbsthilfegruppen

 

Selbsthilfegruppen sind überschaubare kleine Gemeinschaften an der Grenze zwischen öffentlich und privat; sie bilden sich in aller Regel am Wohnort und treffen sich zu regelmäßigen Gruppensitzungen und gemeinsamen Aktivitäten. Vereinsform und formale Mitgliedschaft sind in aller Regel nicht nötig.
Selbsthilfegruppen sind eine neue Sozialform in Ergänzung und Entlastung, manchmal sogar als Ersatz von Familie und Nachbarschaft.
Die Arbeitsweise von Selbsthilfegruppen ist von der Erfahrung bestimmt, dass die Gruppe mehr kann als ein/e Einzelne/r, aber dass letztlich nur die Einzelnen die jeweils treffenden Wege zur Lösung oder Bewältigung ihrer Probleme finden können: "Nur du allein kannst es, aber du kannst es nicht allein".
Im vertrauensvollen Gespräch wird in der Gruppe über die unmittelbaren persönlichen Notlagen und Leiden gesprochen. Hierbei spielen Fragen der professionellen Versorgung ebenso eine Rolle wie Fragen des Umgangs mit einer Erkrankung / einem Problem oder Fragen der Lebensgestaltung und einer Neuorientierung im Leben. Selbsthilfegruppen sind daher auch so etwas wie "Identitätswerkstätten zum (Wieder)Leben-Lernen".
Die in einer Selbsthilfegruppe hervorgebrachten Wirkungen zielen im wesentlichen nach innen. Die Isolation wird aufgehoben, Entwicklungs- und Bewältigungsmöglichkeiten werden im Schutz der Gruppe erprobt. Ein Wandel von Passivität in Aktivität findet statt. Die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer finden Schutz, Verständnis und "Mit-Leiden". Sie beginnen, sich wieder etwas zuzutrauen und ihre persönliche und soziale Zukunft befriedigender zu gestalten, oder sie erfahren Trost, Zuspruch und Beistand bei der Unausweichlichkeit eines Schicksals. Das Erfahrungswissen über die gemeinsame Krankheit und die gemeinsamen Lebensprobleme ist enorm, so dass von einer eigenständigen "Betroffenenkompetenz" gesprochen wird.
Selbsthilfegruppen benötigen und erhalten in der Regel eher geringe Fördermittel. Sie sind jedoch in sehr starkem Maße auf die Bereitstellung von Infrastruktur (Räume, Büronutzung usw.) und auf fachliche Beratung angewiesen (Selbsthilfeunterstützung, Selbsthilfekontaktstellen ).
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